ddog scooter shed

Eine andere WordPress-Site.

Springrace 2018 powered by Pinasco

Der zweite Versuch mit Onkel Mikes Garage Rennteam bei dem österreichischen Endurance Race schlechthin, dem Springrace in Kärnten. Im vergangenen Jahr haben wir uns zum ersten Mal an den Start gewagt und sind nach nur 140 Runden kläglich gescheitert.

Wer nun denkt wir hätten uns ein ganzes Jahr lang vorbereitet und wir wären bereits Wochen vor dem Rennen mit zwei gleichwertigen Hochleistungsmotoren samt hunderter Prüfstandsstunden fertig gewesen, der liegt natürlich vollkommen falsch. Etwa 5 Wochen vor dem Rennen haben wir voll der Panik das anstehende Rennen und die noch fehlenden Motoren bemerkt. Zusätzlich hatten wir zwar schon zeitgerecht begonnen das Chassis neu aufzubauen, waren aber auch da noch lange nicht fertig. Also mal wieder Stress…

Nichts desto trotz haben wir unser Rennmopperl gerade noch rechtzeitig fertig bekommen und sind diesmal auch mit zwei Motoren ausgestattet. Nicht nur das, wir haben auch eine adäquate und vor allem passende Menge Ersatzteile mit. Was uns aber bis kurz vor dem Rennen noch fehlt sind ausreichend Fahrer für unser Renngerät. Leider haben uns alle im Vorfeld mehr oder weniger kurz vor Schluss abgesagt. Mit einem panischen Hilferuf an den Veranstalter, dem sagenumwobenen Horni Mario, konnten wir dann sehr kurzfristig noch eine richtig schöne internationale Fahrertruppe aufstellen. Frankreich, Deutschland, Österreich.

Wir starten auch zeitgerecht am Freitag kurz vor Mittag vollbeladen in Richtung Kärnten. Auch das ist eine Neuerung zum Vorjahr. Die Fahrt ist relativ ereignislos und kurzweilig. Ich hab mit Benjamin einen sehr angenehmen Reisepartner und Benjamin hat das Ottakringer. Mit einem kleinen Zwischenstop zwecks Nahrungsversorgung für den Renntag, kommen wir am ÖAMTC Testgelände noch vor Öffnung der Tore an. Die erste Auffälligkeit ist der Racetruck vom Pinasco Competence Center Deutschland. Ein paar Minuten müssen wir warten. Alles kein Problem.

Sobald sich die Tore öffnen suchen wir uns auch gleich unseren Boxenplatz. Diesmal schön in der Mitte. Wir sind ja auch schon besser aufgestellt heuer. Zwei sehr feine 3x3m Faltzelte mit Onkel Mikes Garage Aufdruck und dicke beständige Gummimatten als Unterlage. Werkzeugwagerl, Klappsitze, alles dabei. Der Aufbau ist geht absolut reibungslos von Statten und wir können schon sehr bald Markus, den Fahrer aus dem schönen Schwabenlande, bei uns begrüssen. Er wird das Springrace als Vorbereitung für das 24h Rennen in Zuera nützen. Sein Zuera-Teamchef kommt auch vorbei und begutachtet unseren Roller. Man merkt sofort, dass der gute Mann schon etliche Rennstall-Jahre auf dem Buckel hat, denn die Tips und Einstellungen an unserem Roller sind es, die uns am folgenden Tag einiges an Problemen bereits im Vorfeld lösen. Ausserdem darf ich auch einiges an neuem Wissen für mich mitnehmen.

Antoine ist auch relativ bald in der Boxengasse um uns zu treffen. Ich habe Antoine im Vorjahr auch am Springrace kennen gelernt. Er ist der Entwickler der KyTronik, einer Zusatzkomponente zur CDI um den Zündzeitpunkt nach Drehzahl zu verstellen.  Antoine hat bereits Rennerfahrung und ist ein sehr, sehr netter Zeitgenosse. Der dritte Fahrer ist Raphael. Ein junger Mann der bereits Supermoto Europameisterschaft gefahren ist, was sein Fahrstil am Folgetag klar zeigen wird. Er ist nicht der „Knie am Boden“ sonder der „Aufrecht-mit-dem-Bein-Strecker“ Typ. Er wird uns aber beweisen, dass er nicht mit dem Knie streifen muss um schnell zu sein.

Nachdem ich mir später des Tages noch einiges an irritierten Blicken beim Befüllen der Kanister für den Renntag einhole, denn man ist es offensichtlich nicht gewöhnt schmutzige Männer mit 100l Super zu sehen, machen wir die Boxengasse dicht und fahren erstmal schnell in unser Quartier. Dem Stift St.Georgen am Längsee. Alleine das Frühstücken am Sonntag Morgen ist es wert, ein paar kleine Euro mehr für die Nacht zu bezahlen. Den Abschluss des Anreisetages bildet gute, bodenständige Kärntner Küche in einem kleinen Restaurant nicht weit vom Stift entfernt. Lange bleiben wir nicht, weil wir schliesslich schon vor Fünf aus den Federn müssen.

Es ist noch ziemlich kalt am morgen. Das werden eher verhaltene Rundenzeiten bis sich der Asphalt und damit auch die Reifen erwärmen. Im Unterschied zum Vorjahr kann jeder der Fahrer ein paar Runden im Training abspulen bevor zum Le Mans Start gerufen wird. Wir haben am Vortag die Startnummer 8 gezogen, also relativ weit vorne. Der Start gelingt auch gar nicht so übel. Benjamin hält den Roller und Antoine beginnt das Rennen für uns. Leider stellen sich alsbald die ersten kleinen Problemchen ein. Nach dem Training haben wir die Vorspannung des Lenkkopflagers aus Fahrwerksgründen etwas lockerer gemacht, dies hat uns aber im Anschluss während des Rennens auch den Lenker gelockert. Ganz blöde, wenn man versucht gut aus dem Kreisel zu kommen. Das Problem haben wir zwar schnell gelöst, aber trotzdem bereits am Anfang einige Runden Rückstand. Macht nichts, die Zielsetzung ist ja schliesslich durchkommen und nicht letzter werden.

Die nächste Zeit läuft relativ Ereignislos Runde für Runde. Wir sind immer solide im Mittelfeld platziert. Dann folgen die nächsten Troubles. Der Kupplungszug, den ein übereifriger Hobbymechaniker ohne Endhülsen verbaut hat, ist in die Stellschraube gewandert und macht das Kuppeln samt Schalten zu einer Qual. Wir tauschen den Zug umgehend aus, holen uns vom VLC Purgstall Endhülsen und sind sehr bald wieder auf der Strecke. Viel Zeit haben wir nicht verloren, aber wir rutschen nochmals weiter nach hinten. Mittlerweile ist schon die Hälfte der Zeit um. Wir fahren bereits seit 6h Stunden mit. Ein sehr schönes Gefühl, waren wir im Vorjahr zu dieser Zeit bereits zum Zusehen verdammt.

Dann will unser Supermoto-Pilot ein klein wenig zu viel in der Kurve zur Start-Ziel-Geraden und rutscht weg. Raphael kommt sofort rein in die Box und wir kontrollieren alle möglichen Beschädigungen. Fast alle, wie sich alsbald herausstellen wird. Raphael geht bald wieder auf die Strecke und spult Runde um Runde ab. Zur geplanten Zeit holen wir ihn rein und uns ploppt der Mund auf. Der Vespatronic Lüfterkranz hat sich beim Sturz gelockert und sich dann vom Lüfterrad getrennt. Wir sind einige Runden ohne Lüfterkranz gefahren. Also keine Zwangskühlung am Motor. Dementsprechend heiss ist auch das gesamte Gehäuse. Wir wir später erkennen müssen, hat diese Hitzephase des Motors wohl alle Dichtungen beschädigt und wir laufen aus die die Titanic zur Jungfernfahrt.

Einen Ersatzkranz haben wir natürlich mit und wir befestigen diesen auf dem bearbeiteten HP4 Lüfterrad. Ab geht es wieder auf die Rennstrecke. Markus und Raphael liefern sich mittlerweile ein kleines Rennen um die beste Rundenzeit des Teams. Vorweg genommen, Raphael entscheidet diesen internen Bewerb knapp für sich. Aber wir machen wieder Runde um Runde. Es läuft gut und wir klettern auch Stück für Stück weiter nach oben im Klassement. Die Ausfallrate ist dieses Jahr war trotz dem Teilnehmerfeld von 42 Teams nicht so hoch. Zwei Teams sind nicht angetreten und 5 Teams sind ausgefallen. Unter den Ausfällen sind auch so bekannte Namen wie Falc und Stoffis Garage dabei. Leider sehen unsere Freunde aus Purgstall ebenfalls nicht das Ziel. Wirklich schade.

Einen letzten Schraubereinsatz haben wir noch. Die Bremsbeläge haben die Supermoto-Fahrweise nicht durchgestanden und sind durch. Das ist jetzt ganz blöd. Denn wir haben keinen Ersatz mit. Mein Fehler. Aber zum Glück hilft man sich gegenseitig. Das Team Gentlemen Club hatte Beläge für uns. Beim tausche hat sich dann noch der Kugelkopf eines Imbusschlüssels verabschiedet und beschlossen gleich im Schraubenkopf sesshaft zu werden. Jetzt sind wir dann die letzten Runden mit einer nicht ganz eingedrehten Schraube und einem mulmigen Gefühl fertig gefahren. Die Schraube blieb an ihrem Platz und das war auch die letzte Boxenpause die wir eingelegt haben.

Nach 12h Rennzeit, um 19h haben wir dann die karierte Flagge gesehen und sind ins Ziel gefahren. Nach dem erniedrigenden Erlebnissen des Vorjahres ein wahrlich erhebendes Gefühl. Antoine hat die letzten Runden abgespult und die Nummer 36 sicher ins Ziel gebracht. In der Gesamtwertung haben wir den 22. Platz und in der Klassenwertung den 14. Platz erreicht. Ja ich weiss, Mittelfeld, mehr nicht. Aber das ist egal. Schlussendlich zählt die Ziellinie. Wir haben das Rennen begonnen und abgeschlossen. Wir hatten einen aussergewöhnlich geilen Racetag in Kärnten, wieder einiges dazu sowie einige neue Leute kennen gelernt.

Eines ist gewiss, wir sind 2019 auch wieder mit dabei, wenn das Springrace powered by Pinasco wieder stattfindet.