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Triest 2017

Einmal im Jahr versuche ich an einer längeren Tour teilzunehmen. Diesmal ist die Wahl wieder auf Triest gefallen.

Mein Telefon dient mir als Wecker und läutet mich mit sanfter Musik aus dem Schlaf. Mit einer Mischung aus Müdigkeit und Vorfreude spule ich das übliche Morgenprogramm nach dem ersten Kaffe herunter. Morgenhygiene und adäquate Tourbekleidung. Zum Glück ist das Fenster im Badezimmer offen und ein leichter Windstoß ermahnt mich doch auch die Weste anzuziehen, die ersten paar Kilometer könnten wohl kalt werden. Meine wesentlich bessere Hälfte ist ebenfalls mit mir aufgestanden und bereitet mir in der Küche neben dem zweiten Kaffee ein paar Semmerl als Stärkung für den Tag vor. Ich liebe ihre Fürsorglichkeit. Mittlerweile haben es auch meine Töchter aus den Federn geschafft und ich muss noch eine eingehende Verabschiedungsorgie über mich ergehen lassen, bevor ich mich runter in die Garage zum vollbepackten, startbereiten Roller begebe.

Mein rotes Moped wartet bereits auf mich. Vollbepackt mit den nötigen Campingutensilien und jeder Menge Ersatzteile. Man weiss ja nie was noch passieren wird. Wir fahren allesamt alte Motorroller. Anfälliger als das moderne Zeug, weil wir auch mal am Motor beigegangen sind damit sich auch was tut am Hinterreifen. Aber wir können alles reparieren. Es gibt keine grossartige Elektronik. Genau aus diesem Grund startet sie auch ganz brav, meine rote Tourette. Der Name ist Programm. Aber sie begleitet mich die letzten 15 Jahre. Mal mehr mal weniger emphatisch.

Die paar Kilometer von meinem Domizil hin zum Treffpunkt bestätigen mir bereits dass die Weste keine schlechte Entscheidung war, obgleich es gar nicht mal so kalt ist. Mike wartet bereits an der Tankstelle auf mich. Als Überraschung auch Rocky. Er wird uns auch noch ein paar Kilometer begleiten. Finde ich absolut cool von ihm. Vor allem zu so früher Stunde. Mikes Roller ist auch vollgepackt. Ähnliches Equipment, Werkzeug und Ersatzteile. Wir warten noch auf Michael und Benji. Bei letzterem sind wir aber sicher, dass er nicht kommt. Eine knapp 1000km lange Tour mit Prellungen von einem abrupten Abstieg machen keinen Spass und Sinn.

Der Cheffe kommt schlussendlich. Auch Vollbepackt. Samt neuem Zusatztank einer Harley Davidson im Durchstieg. Schaut geil aus. Bringt zusätzliche 12l. Keine schlechte Idee grundsätzlich. Michael ist bei der Ankunft bereits vollbetankt und startbereit. Wir warten noch bis genau 6:30h und horchen ob wir nicht doch noch irgendwo das sonore Schnurren der originalen 200er Benjamins hören können. Er kommt aber verständlicherweise nicht. Wir legen los.

Mit jedem Kilometer den wir weiter südlich fahren wird es kälter. Ab Göstling bin ich schon heilfroh die gute Bomberjacke und die Weste um mich herum zu wissen. Es wird teilweise richtig frisch unterwegs. Dafür nervt nahezu kein Verkehr und wir fegen über trockene Strassen dahin. Bis zur Abzweigung nach Mariazell begleitet uns Rocky. Danach sind wir dann zu Dritt on the Road. Die Geschwindigkeit pendelt sich relativ rasch bei etwa 80-90km/h Cruising Speed ein. Wir kommen ganz gut voran. Der kühle Morgen bietet einige wundervolle Panoramen mit aufsteigendem Bodennebel. Das Alpenvorland hat schon einiges zu bieten.

Die Route führt uns nach Hieflau, wo wir Richtung Admont durch den Nationalpark Gesäuse rollern. Links und rechts stehen die Felswände des Gesäuse in den Himmel. Die Sonne lässt sich jedoch nicht blicken. Ganz im Gegenteil. Es beginnt leicht zu Regnen. Noch kein Grund zur Panik bzw. zum Anlegen der Regenkombis. Das geht wieder weg. Die Temperaturen bestätigen mir erneut, dass trotz zu erwartender hochsommerlicher Temperaturen im weiteren Verlauf unserer Tour, die warme Startbekleidung absolut angebracht ist. Der Verkehr hält sich weiterhin in Grenzen und wir machen Kilometer.

Nach dem Gesäuse geht ist fast übergangsfrei in Richtung Triebener Tauern. Wir haben den Triebener Tauern Pass mit 1274m Seehöhe auf unserer Streckenplanung. Langsam schlängeln wir uns die teilweise engen Kehren hoch. Die Luft wird frischer und wirkt sauberer. Die Wiesen haben rundum dieses ganz besondere Grün höherer Lagen. Aber auch die Häuser und Scheunen zeigen ganz deutlich auf wo wir uns befinden. Viel Holz und feste Schindeln.  Das Ambiente der Alpen umschlingt uns. Der Abstieg ist eigentlich ebenso beeindruckend und unspektakulär. Wenn da nicht plötzlich mein Drehzahlmesser wilde Zahlenreihen anzeigen würde, die definitiv nicht zur aktuellen Drehzahl passen. Und nach ein paar Kilometern mehr fällt er ganz aus. Eigentlich fällt alles aus was Beleuchtung ist. Beim nächsten Tankstop dann die Gewissheit. Beide Lampen vorne sind durchgebrannt und es gibt keinen Strom mehr im Cockpit. Tolle Sache. Fehlersuche ist angesagt. Ohne Licht bis nach Triest geht nicht. Da hätten sicherlich die Ordnungshüter ein paar Einwände. Erster Gedanke, der Regler ist durch. Michael hat einen Multimeter mit und wir messen die Ausgänge. Mist. Es kommt nichts raus. Regler tot. Dann checken wir noch das blaue Eingangskabel. Oha. Auch nichts. Eventuell ein Kabeldefekt dazwischen. Wir messen nochmal direkt am Ausgang. Auch nichts. Zündgrundplatte. Na dann tauschen wir mal und sehen ob es daran liegt. Lüfterrad runter und Schreck lass nach. Die Lichtspule ist vollkommen abgebrannt. Eine solchen Schaden hatte ich noch nie. Und auch nicht damit gerechnet. Wenn man bedenkt, dass ich die Zündgrundplatte erst vor ein paar Tagen nagelneu eingebaut hatte. Danke Scooter-Center mit Eurem BGM Zeug. Zum Glück hab ich die alte Grundplatte mit. Damit funktioniert wieder alles. Mit etwa einer Stunde Verzögerung geht die Fahrt weiter.

Langsam aber beständig ziehen wir gegen Süden. Kurz vor Klagenfurt macht sich langsam meine Kupplung bemerkbar. Ich kenne die Symptome bereits. Mein Druckpilz ist im Begriff sich langsam aber sicher aufzulösen. Warum auch immer. Mittlerweile mäkelt auch Michael an der Gasannahme seiner PX herum. Irgendwas passt da nicht. Direkt in Klagenfurt ist dann die Lebensspanne meines Druckpilzes zu Ende. Macht nix. Darauf bin ich vorbereitet. Michael macht sich inzwischen auf nach vor zur nächsten Tankstelle zu fahren, weil er einen zu geringen Benzindruck vermutet. Nachtanken also. Ich bau in der Zwischenzeit das Hinterrad ab und wundere mich dabei über die doch relativ ölige Umgebung hier. Aber die Bremsen sind wenigstens vollkommen trocken. Das wenigstens ist in Ordnung. Kupplungsdeckel abgeschraubt. Wie erwartet ist der Druckpilz grösstenteils zu kleinen unscheinbaren Bröselchen zerfallen. Also reinige ich den Deckel, setze einen neuen Pilz und eine neue Andruckplatte ein, weil es mir mal wieder die Haltefeder zerwurschtelt hat. In mir steigt das Gefühl auf, dass die RMS Nachbauersatzteile nicht so recht das Gelbe vom Ei sein mögen. Beim Zusammenbau dann der ultimative Schock. Da hat sich doch tatsächlich Mutter der Nebenwelle klammheimlich verabschiedet. Und frei nach Murphy, haben wir genau das Teil nicht mit. Sicherheitshalber und Optimistisch veranlagt setze ich wieder alles zusammen, ziehe ein neues Kupplungsseil ein und fahre die 150m zur Tankstelle vor. Dort wartet Michael bereits mit hoffnungsvoller Miene. Er hat das Problem gefunden. Die Hauptdüse war vollkommen verstopft mit irgendwelchen Fasern. Hab ich so auch noch nicht gesehen. Seine Mühle läuft wieder. Nun gilt es noch mein Nebenwellenmuttern-Dilemma zu lösen. Hierbei handelt es sich um eine spezielle M9 Mutter die mit ebenfalls spezieller Unterlagsscheibe sowie einer Sicherung versehen sein will. Zum Glück ist Klagenfurt kein Kuhdorf sondern doch eine Stadt mit guten Möglichkeiten und diese tut sich mit dem Shop vespa4ever für mich auf. Michael erklärt sich bereit durch die halbe Stadt zu fahren um mir eine Mutter zu holen. Der Händler ist selbst erst heute aus Italien zurück gekommen, hat aber keine solche Mutter auf Lager. Damit wir aber trotzdem weiterfahren können demontiert er sie von einem seiner Motoren. Das ist echte Hilfsbereitschaft unter Rollerfahrern. Wenn man sich unserer Lage und der fast selbstlosen Lösung gewahr wird, so kann man ein wenig erahnen wieviel mehr das Rollerfahren wirklich ist. Nicht nur das bewegen von Fahrzeugen. Es ist viel mehr. Es ist das blinde Verständnis des Beweggrundes und eine andere Sicht auf diesen.

Die Mutter ist bald vollständig gesichert an ihrem Ort und nebenbei auch noch schnell eine neuer Hauptwellensimmering eingesetzt. Der sah auch nicht mehr sonderlich toll aus. Wir starten die Motoren. Mit einiger Verzögerung zwar, aber wir können unsere Tour doch noch fortsetzen. Von Klagenfurt aus geht es in Richtung Loiblpass. Einer der steilsten Pässe Europas. Wenn man den Aufstieg von österreichischer Seite wählt. Zu Beginn der Streckenplanung hatten wir noch den Loibl als Pass für den Heimweg im Kalkül. Steil nach oben ist aber einfacher zu fahren als steil nach unten. Wir sind vollbepackt und haben doch eher kleine Bremsen. Ausserdem lässt sich der Aufstieg eher geniessen. Und das tun wir auch. Die Passstrasse ist diesmal auch nicht so stark befahren wie im Vorjahr. Langsam und stetig klettern wir mit unseren Rollern die engen Kehren und Kurven hoch. Immer wieder belohnen uns Talschnitte und Steilwände optisch für die anstrengende Fahrt. Pässefahren kann getrost als der heilige Gral für den Tourenbegeisterten bezeichnet werden. Der Abstieg vom Loiblpass ist zwar weniger spektakulär, aber ebenfalls wunderschön.

Wir haben uns bereits vor der Passquerung für eine schnelle Route durch Slowenien über die Autobahn entschieden. Wir haben in Klagenfurt zu viel Zeit verloren um über Land zu fahren. Ausserdem hab ich noch immer ein unsicheres Gefühl was meine Kupplung anbelangt. Auf der ersten Tankstelle kaufen wir alle drei eine Vignette und los geht die eintönige Fahrt. Ganz so eintönig wird diese aber wegen dem scheinbar üblichen Stau rund um Ljubljana nicht. Zu Beginn schlängeln wir uns noch langsam zwischen den Fahrzeugen durch. Nach ein paar Metern wechseln wir auf den Pannenstreifen. So kommen wir wenigstens halbwegs voran und lassen den Stau relativ bald hinter uns. Autobahn ist langweilig. Aber auch wirklich zeitsparend. Nach einem weiteren Tankstop und dem Treffen mit zwei Steirern die ebenfalls nach Triest fahren, erreichen wir schon relativ schnell Italien. Jetzt geht es schnell. Opincina Richtung Trebiciano. Michael erkennt sofort die richtige Abzweigung im Ort und wir kommen bei Tageslicht am Rungelände an. Es geht erstmal direkt auf den Campingplatz. Einen eher gering bewachsenen Bolzplatz der Sportanlage. Wir stellen gleich mal unsere Zelte auf. Nach kurzer Zeit kommt Stefan mit einem Jumbo-Spitzer zu uns. Stefan und Katja sind bereits seit Mittag am Treffen. Michael nimmt einen guten Schluck davon. Für ihn ist die Ankunft gleich um ein Vielfaches schöner. Das Zelt ist schnell aufgestellt und ich kann mein neuestes Gimmick hervorkramen. Ich hab mir eine Luftpumpe für die Luftmatratze zugelegt. Die kann ich an die Rollerbatterie klemmen und ohne Schwindelanfälle meine Unterlage auffüllen. Geile Sache. Echt!

Nach erfolgreichem Unterkunftsbau geht es direkt ins Rungeschehen. Freitag ist in Triest „Österreicher Tag“. Jede Menge Ösis hier. Vor allem aus den südlichen Bundesländern. Und Crazy Ducks. Dieses Jahr sind die Ducks stark vertreten. Als erstes treffen wir gleich Michele. Ein absolut netter Bekannter con früheren Veranstaltungen. Ein Original und mittlerweile Crazy Duck. Rosi von den Skunks ist ebenfalls schon da. Wir werden am nächsten Tag gemeinsam die Heimreise antreten.

Nahrungsaufnahme in Form von Cevapcici untermalt von wechselnder Musik und dem Soundcheck einer Liveband. Könnte man getrost drauf verzichten. Laut und teilweise eher unmelodisch quälen uns die Protagonisten in unregelmäßigen Abständen. Die Cevapcici schmecken trotzdem. Chemisches Ajvar und Zwiebelringe als Beilage. Danach noch ein paar übliche Benzingespräche und gegen Mitternacht geht es ab ins Zelt. Wir sind müde und wollen schlafen. Theoretisch. Die Flutlichtanlage scheint direkt auf uns herab. Es ist Taghell hier. Alle paar Minuten startet jemand seinen Roller. Das ist leider Usus auf italienischen Treffen. Ich versuche trotzdem zu schlafen. Es gelingt auch ein wenig. Bis ich dann wieder von Gesprächen in normaler Lautstärke aus dem Schlaf gerissen werde. Mike geht es nicht besser. Schafen ist nicht wirklich möglich hier. Nächstes Jahr gehts in ein Hotel. Sollten wir wieder Triest anfahren.

Gegen 6.30h nach mehr oder weniger langen Schlafphasen ist Schluss mit schlafen. Noch etwas müde gehts zur Morgenhygiene in die Duschen der Fussballkabinen. Italienischen Fussballkabinen. Eines kleinen Kreisligavereines. Aber es gibt Warmwasser und eine „europäische“ Toilette. Über die weiteren sanitären Einrichtungen am Rungelände legen wir besser den Mantel des Schweigens. Dann bauen Mike und ich unsere Zelte ab. Wir verstauen alles abfahrbereit auf den Rollern und schlendern durch das verwaiste Rungelände. Gerade am Morgen ist es fast idyllisch. Auf jeden Fall ist es ruhig. Als wir nach vor kommen sehen wir bereits Allessandro, den Chef der Gatti Randagi als er seine Member einteilt und selbst ordentlich mit anpackt. Nichts besonderes mag man sich denken. Allessandro ist aber schon länger nicht mehr ganz fit und hat mit einer Nervenerkrankung zu kämpfen. Deshalb ist es ihm noch höher anzurechnen, dass er um diese frühe Zeit schon wieder auf den Beinen ist und mithilft, obwohl er doch auch relativ lange Abends mit dabei war.

Jedenfalls haben wir Glück. Der Bäcker liefert eben das Frühstück an. Es gibt starken Espresso und Süssgebäck. Wir entscheiden uns für den Krapfen. Eine ideale Mischung um die morgendliche Darmträge zu überwinden. Aber er schmeckt gut der Kaffee. Wir machen uns wieder auf den Weg zurück zum Zeltplatz um zu sehen wie weit Michi bereits gekommen ist. Schliesslich haben wir uns gestern Abend noch ein Frühstück bei Katja und Stefan im Hotel ausgemacht. Michi ist auch schon soweit bereit. Wir können loslegen. Ein Hotel in einem kleinen italienischen Ort zu finden ist selbst mit Navi nicht wirklich leicht. Vor allem wenn das Navi die Adresse irgendwo anders vermutet als es wirklich der Fall ist. Google hilft aber auch in diesem Fall. Als ich meine Möhre abstelle beginnt sie sofort damit ihr Revier zu markieren. Offensichtlich ist der Benzinschlauch vom Anschluss gerutscht. Wir machen gleich einen guten Eindruck hier.

Das Hotel und auch das Frühstück ist wirklich nett. Danke nochmal an unsere Fraktion Wien-Fünfhaus für den Vorschlag. Guter Kaffee und ein überraschend reichhaltiges Buffet gestalten den Start in den Tag weit besser als vermutet. Gestärkt und voller Elan wird der Benzinschlauch wieder an seinen Platz gebracht und ordentlich gesichert. Der geht nicht mehr so schnell ab. Jetzt wird es Zeit. Nachdem wir uns bei Katja und Stefan verabschiedet haben, die beiden werden ein paar weitere Tage in Triest bleiben, geht es erstmal zurück zum Rungelände. Petra und Rosie warten dort auf uns. Um die Heimfahrt möglichst unproblematisch zu gestalten, entschliessen wir uns Slowenien wieder per Autobahn zu durchqueren. Es liegen also einige Kilometer unspektakulärer, langweiliger Autobahn vor uns. Diese spulen wir ohne weiter Probleme ab. Zwischen Ljubljana und Kranj fahren wir für eine Pause von der Autobahn ab. Bei einem Kreisverkehr kommt Mike plötzlich zu stehen. Irgendwas blockiert. Wir tippen schon auf einen Zylinderschaden und breiten den Notfall-Pinasco-177 vor. Erstmal muss der Kopf vom Zylinder runter und wir sehen da irgendwelche Stücke im Kolben stecken. Der erste Verdacht ist ein kaputter Kolbenring. Wir schimpfen in der Runde über Polini und ziehen den Zylinder ab. Wir schimpfen nicht mehr über Polini, weil sich das untere Pleuellager verabschiedet hat. Kurbelwelle für die 125er haben wir keine mit. Scheisse. Die Tour ist für Mike vorbei. Zum Glück kamen Petra und Rosie direkt von ihrem Urlaub und hatten Rosies PX am Anhänger mitgenommen. Da Rosie mit uns die Heimtour am Roller fährt ist Platz für Mikes Vespa. Er ist zwar verständlicherweise frustriert, kann die nächsten Kilometer dafür in sehr netter Gesellschaft und mit dem Privileg einer Klimaanlage absolvieren. Es gibt weit schlechtere Alternativen.

Unser nächster Wegpunkt ist der Seebergsattel zwischen Slowenien und Kärnten. Kurz vor der eigentlichen Bergstrecke macht Michaels Roller erste Mucken. Die Gasannahme wird immer schlechter. Ganz offensichtlich ein Problem mit der Benzinversorgung. Immer wieder müssen wir anhalten. Schlussendlich entschliesst sich Michi den Vergaser zu tauschen. Niemand ist überrascht dass er einen Ersatzvergaser mit hat. Michi hat alles mit. Bis auf eine 125er Kurbelwelle und eine Nebenwellenmutter. Dieses Jahr. Nächstes Jahr hat er auch das mit. Ich würde sogar drauf wetten. Der Roller fährt auch wieder einwandfrei mit dem neuen Vergaser. Der Aufstieg auf den Seebergsattel gestaltet sich mit einer erklecklichen Anzahl Kehren. Genauso soll Passfahren sein. Oben angekommen ist erstmal Stau angesagt. Wir vermuten eingehende Passkontrollen. In Wahrheit ist es ein Skateboard-Downhill-Rennen wofür der Verkehr angehalten wird. Wir, die wartenden, sehen das jetzt nicht ganz so sportlich. Ein schwedischer Volvofahrer überlegt lautstark ob man die Wartezeit nicht eventuell mit der Kollision einer Steines mit dem Kopf des Verantwortlichen vergelten soll. Ich sag da jetzt mal nichts weiter dazu. Leider ist die Fahrt runter vom Seebergsattel nicht wirklich spannend. Die wartenden Bürgerkäfige schälen sich in quälender Langsamkeit die schönen Kehren hinunter und wir lassen die Roller meist knapp über Standgas frei rollen. Eine sportliche Abfahrt wäre mit meinem offensichtlich nicht ganz ideal stehenden Hauptständer ohnehin nicht möglich. In engen Kehren neigt das Teil zum Aufsetzen. Irgendwie entspannt das nicht wirklich. Nach dem Pass ist es nicht mehr weit bis zum Turner See. Dort möchten wir übernachten. Als wir ankommen und hoffen ein Mobilehome zu ergattern werden wir bedingt freundlich darüber informiert, dass wir gerne einen Zeltplatz haben können. Alles andere ist ausgebucht. Mike merkt sofort an, dass er keine weiter Nacht im Zelt schlafen will. Ich übrigens auch nicht. Mike und Petra überlegen gleich nach Hause zu fahren. Michael und ich suchen gleich über das Handy nach Alternativen. Cheffe wird schnell und sehr gut fündig. Ein Doppelzimmer und ein Dreibettzimmer sind direkt in St.Kanzian am Klopeinersee frei. Wir werden duschen und in einem Bett schlafen. Alles wird gut.

Wir tuckern weiter zu unserer Unterkunft uns sehen erfreut, dass sich das Hotel etwa 200m vom Zentrum befindet. Ideale Lage für ein gemütliches Abendessen in der örtlichen Pizzeria. Nachdem wir allesamt geduscht und frisch bekleidet sind, genehmigen wir uns ein gemütliches Abendessen in zuvor erwähnter Restauration. Entspannung macht sich breit. Irgendwie sind wir alle froh, dass wir nur eine Nacht in Trebiciano verbracht haben. Mike und ich beginnen bereits mit der Planung zur Remobilisierung seiner PX.

Auch wenn drei Männer in einem Hotelzimmer schon eine Ansage sind, schlafen wir allesamt richtig gut. Morgenhyiene und ab zum Frühstück. So ein Start in den Tag mit Kulinarik aus dem Heimatland ist gut. Richtig gut. Wir sind alle bestens gelaunt. Das Hotelier-Ehepaar macht noch ein Foto von uns vor der Abreise. Sehr nette Leute. Da kann man wieder hinkommen. Unsere letzte Etappe führt uns jetzt erstmal wieder über ein paar Kilometer Autobahn bevor es weiter ins Lavanttal geht. Dann wieder ein Stück S36. Autobahnfahren macht heute keinen Spass. Zum Glück führt uns die Strecke dann über Trofaiach, Präbichl und Eisenerz nach Hieflau. Der Erzberg ist beeindruckend. Immer wieder muss ich an Mike denken, der leider nicht mit dem Roller fahren kann. Ab Hieflau geht es schon richtig schnell dahin und ein paar wilde Kurvenjagden nach Lunz am See später sind wir schon in Scheibbs. Dort biegen wir Richtung Mank ab. Und direkt nach der Abzweigung beginnt Michaels Roller wieder zu Zicken. Der Vergaser dürfte sich ebenfalls langsam zulegen. Irgendwo ist Schmutz im System. Mit dem Abladeschwenk zu Mike nach Hummelbach sind es vielleicht noch 40km bis nach Hause. Nach ein paar Stops beruhigt sich die Lage im Spritz-Zufuhrsystem vorerst wieder und Michael kann vorsichtig weiterfahren. Wir cruisen über extrem wenig befahrene Nebenstrassen ganz pomale nach Hummelbach. Auch wenn wir in den letzten Tagen beeindruckende Panoramen und anspruchsvolle Bergstrassen befahren haben, unsere Region hat nichts von ihrer Schönheit für mich verloren. Unser Alpenvorland kann mit seinen satt grünen Wiesen, kleinen Mischwäldern und den hügeligen Feldern jedesmal aufs Neue für dieses innere Freiheitsgefühl sorgen. Obwohl mein Hinterteil etwas schmerzt und sich auch eine gewisse Müdigkeit eingestellt hat, kann ich diese letzten Meter vollends geniessen.

Mikes Heim ist eher von der abgeschiedenen Sorte. Direkt im Grünen ohne viel Nachbarschaft. Wir helfen ihm seinen Roller abzuladen und holen unser Gepäck aus Rosies Auto. Unsere beiden Roller sind damit wieder vollbeladen und wir haben noch etwa 15-20km bis ins traute Heim. Grosse Verabschiedung. War mal wieder eine geile Tour zusammen. Wir starten die Roller und los gehts.

Aber leider nur etwa 300m. Michaels Vergaser hat sich die paar Kilometer vor dem Ziel zu einem finalen Streik entschlossen. Nichts geht mehr. Schweren Herzens laden wir Michaels Roller bei Petra und Rosie auf den Anhänger. Ich kann Michaels Frust verstehen. Nach so vielen Kilometern und so vielen gelösten Problemen. Den ollen Murphy im Hinterkopf beschleicht mich ein unschönes Gefühl. Um ehrlich zu sein, nach der verlorenen Nebenwellenmutter habe ich irgendwie das Vertrauen in meinen Motor verloren und hadere mit dem Gedanken die Reise nicht auf Achse sondern auf dem Anhänger zu beenden. Aber das Schicksal meint es gut mit mir. Ich darf meine Tourette wieder exakt an den Platz lenken wo ich diese Tour zwei Tage zuvor begonnen habe. Irgendwie wieder mal ein erhebendes Gefühl. Vor allem wenn man bedenkt dass meine PX 200 GS bei dieser Tour die jüngste der drei Roller war. Ein Baujahr 1989. Sie ist auch schon stolze 28 Jahre alt. Für Falschtakt-Hubraum gewohnte PS verwöhnte Tourenfahrer sind die gefahrenen 950 Kilometer eher Kinderkram. Für mich ist es ein klein wenig Bestätigung des eigenen Tuns, wenn wir mal wieder eine längere Tour hinter uns gebracht haben. Das kann man aber nur verstehen wenn man es lebt. So wie wir. So wie Mike, Michael und ich dieses Jahr. Nächstes Jahr dann vielleicht noch mehr vom Club. Mal sehen. Ich freue mich darauf. Egal wohin es geht. Hauptsache Kilometer und Pässe…